Angst
Angst ist nicht nur ein Gefühl, sie ist auch gekennzeichnet durch bestimmte Gedanken und körperliche Reaktionen. Psyche, Geist und Leib sind gemeinsam betroffen. In ihrem ursprünglichen Sinn ist Angst ein Alarmsignal, um das Leben zu schützen, und die ausgelösten Vorgänge sind beeindruckend und sinnvoll.
Der Mensch empfindet Bedrohung und wird dann -wie auch bei Stress- durch Veränderungen im Organismus zu besonderen Leistungen befähigt. Das subjektive Gefühl „Angst“ wird biologisch durchgeschaltet, körperliche Symptome folgen:
Phantasie und Verstand werden aktiviert um Vorsichtsmaßnahmen zu planen
- Adrenalin wird ausgeschüttet und wirkt als Aufputsch- und Schmerzmittel
- Blutzufuhr der Haut und innerer Organe wird gedrosselt, um wichtigere Organe zu versorgen
- Blutzufuhr der Muskeln wird dadurch erhöht für hohe körperliche Leistung
- Blut wird dickflüssiger, um bei Verletzungen den Blutverlust zu verringern
- Verstärkte Atemtätigkeit für höhere Sauerstoffzufuhr
- Angstschweiß kühlt und verhindert auch, daß der Gegner die klitschige Haut greifen kann
- Haare stellen sich auf, um optisch größer zu wirken
Durch diese und viele weitere Maßnahmen ist der bedrohte Mensch fähig, angemessen zu eagieren, bereit zu „Kampf oder Flucht“, es wird aber in unserem zivilisierten Umfeld weniger der indische Säbelzahntiger zur Gefahr und auch der Nahkampf mit Buschräubern im unwegsamen Gelände ist selten. Häufiger sind Angstauslöser, die nicht richtig als Gegner sichtbar und greifbar sind, es besteht keine unmittelbare Gefahr, sondern die Vorstellung einer Bedrohung. Obwohl „nur“ durch Gedanken ausgelöst, haben sie dennoch dasselbe „echte“ Angstgefühl und alle weiteren Reaktionen zur Folge.
Oft gibt es in solchen Situationen keine Möglichkeiten, entsprechend zu reagieren, es gibt kein Gegenüber. Wenn Angst vor Versagen, vor Verlust, vor Veränderung oder Existenzangst quälen, dann gibt es scheinbar keine Möglichkeiten, mit der Angst entsprechend umzugehen. Hat man aber den Umgang mit der Angst verlernt, macht sie sich selbständig, verläßt den Bereich des Gemüts, der ihr zusteht und nagt an den anderen Gefühlen, bis ihr die ganze Seele gehört. Kurz gefaßt in einem arabischen Ausspruch: „Angst essen Seele auf“.
Angst hat viele Gesichter und ebensoviele körperliche und seelische Gründe, warum sie sich als Krankheit (siehe Psychosomatik) in das Leben einschleicht. Unterschwellige, unerkannte und quälende Angst muß wahrgenommen werden, um sie annehmen und mit ihr angemessen umgehen zu können. Es muß auch bewußt werden, wie Angst im Zusammenhang wirkt, so läßt z. B. Angst Schmerzen verstärkt empfinden und Schmerzen verursachen zusätzliche Angst.
Hilfe bieten unter anderem:
Gesprächstherapie, um die Angst als vermutlichen Verursacher von weiteren Beschwerden zu entdecken und zu verarbeiten. Entspannungsübungen und regelmäßige Bewegung, um die durch Angst erzeugte und Angst erzeugende Anspannung abzubauen. Entlastende Gespräche mit Freunden oder Angehörigen vielleicht auch in einer Selbsthilfegruppe.
Aktiv zu werden, Hilfe zu suchen und anzunehmen ist der erste Schritt, mit der Angst umzugehen. Das ist der beste Weg, die Angst „in den Griff zu bekommen“ um nicht von Angst ergriffen und gefangen zu sein.
