Schmerzen
Was ist Schmerz ?
Schmerzen sind ursprünglich ein Hinweis darauf, daß im Körper etwas nicht stimmt, ein Warnsystem, das ausgelöst wird bei Verletzungen, veränderten Funktionen oder Krankheiten, also lebenswichtig ist.
Schmerz entsteht, wenn Nozizeptoren (freie Nervenenden, Schmerz- oder Schadensrezeptoren) durch Hitze, Druck oder Dehnung, aber auch durch körpereigene Substanzen wie z. B. Histamin oder Serotonin stimuliert werden.
Die Signale kommen in einer Schaltstation im Rückenmarksbereich an, dort wird entschieden, ob sie wichtig genug sind um weitergeleitet zu werden. Wenn ja, dann gelangen sie zum Thalamus (Hirnstamm) um wieder geprüft zu werden, ob sie dem Bewußtsein mitgeteilt werden sollen. Hier kann der Thalamus noch für kurzzeitige Schmerzdämpfung sorgen, bevor an das Großhirn weitergemeldet wird. Durch dieses „Verschweigen“ kann auch ein schwer verletzter Mensch bei Gefahr noch agieren, ist ähnlich wie bei Angst- oder Stressreaktionen noch zu Rettungsmaßnahmen fähig.
Erreicht die Schmerz-Schadensmeldung das Großhirn, wird der Schmerz bewußt, kann lokalisiert und bewertet werden, die gefühlsmäßige Beurteilung übernimmt dabei das limbische System. Der Allgemeinzustand beeinflusst das Schmerzempfinden des Einzelnen, es ist bei Angst, Stress, Kälte oder Einsamkeit stärker als in Geborgenheit, Entspannung und bei Ablenkung.
Chronisch wird Schmerz dann, wenn er nicht ausreichend gelindert wird und sich deshalb ein Schmerzgedächtnis bilden kann. Die empfindsamen Zellen „lernen“ wenn sie sich starke oder immer wiederkehrende Schmerzimpulse einprägen, die Sensibilität verändert sich. Dann reicht schon ein kleiner Reiz aus, um als Schmerzimpuls registriert und als unangenehm empfunden zu werden. Bei Reizdarm- Patienten werden leichte Blähungen manchmal als Schmerz wahrgenommen, weil die zuständigen Sensoren z. B. durch eine Darminfektion oder Operation starken Reizen ausgesetzt waren und damit übermäßig stimuliert wurden. Der direkte Auslöser fehlt, der Schmerz aber bleibt, macht dem Betroffenen Angst, die ihrerseits den Schmerz verstärkt.
Schmerzlinderung erreicht man auf verschiedenen Wegen, wenn sie sinnvoll aufeinander abgestimmt werden, kann das Schmerzempfinden reguliert werden. Empfehlenswert ist:
- Entspannung in einer angemessenen Form deshalb, weil körperliche wie psychische Anspannung die Schmerzempfindung verstärkt
- Entsprechende Schmerzmittel deshalb, weil damit der Reizpegel der Schmerzrezeptoren gesenkt wird
- Gesprächstherapie deshalb, weil Schmerz oft gekoppelt ist mit bestimmten Vorstellungen, Befürchtungen, Situationen oder Erwartungen. Die Wahrnehmung von Schmerz und den zugehörigen Bewältigungs- und Verarbeitungsmustern zu prüfen und zu verändern, hilft Schmerz zu lindern, leichter zu ertragen oder die Schmerzerinnerung zu löschen.
